Als die Welt für einen Moment stillstand – eine Geschichte über Achtsamkeit

Als die Welt für einen Moment stillstand – eine Geschichte über Achtsamkeit

Sharing Is Caring! Gib's weiter an Freunde und Familie, wenn es dir gefallen hat...

Emilie war ein aufgewecktes Kind, das meistens so viel Energie hatte, dass sie kaum stillsitzen konnte. Schon morgens wirbelte sie durchs Haus, wollte ihrem Hund Flocki die neuesten Kunststücke beibringen und erzählte ihrer Mama gleichzeitig von den Abenteuern, die sie auf dem Schulweg erlebte. Doch manchmal spürte sie, dass sie in all dem Trubel etwas vergaß: Sie selbst konnte kaum Luft holen, so eilig hatte sie es immer.

Eines Abends, als Emilie müde in ihrem Bett lag und nicht einschlafen konnte, trat ihre Großmutter ins Zimmer. Sie hatte einen alten, handgefertigten Traumfänger dabei. „Wenn du möchtest, erzähle ich dir eine kleine Geschichte“, sagte sie leise und setzte sich zu Emilie aufs Bett.

Neugierig kuschelte Emilie sich an ihre Großmutter. „Ja, bitte“, flüsterte sie. Da begann die Großmutter mit ruhiger Stimme:

„Es war einmal ein Mädchen, fast so alt wie du. Sie rannte den ganzen Tag umher und wollte nichts verpassen. Bis sie eines Tages merkte, dass ihr das Herz ganz laut pochte und sie sich ständig gestresst fühlte. Alles war ihr zu laut, zu bunt, zu schnell. Eines Morgens hörte sie, wie jemand draußen beim Fenster ihren Namen rief. Es war der Wind, den sie sonst nie beachtete.

Der Wind lud sie ein, innezuhalten. Sie setzte sich auf die Schwelle ihrer Haustür und ließ das Rauschen der Blätter auf sich wirken. Zum ersten Mal spürte sie jeden Atemzug. Sie entdeckte, wie die Sonne sanft auf ihrer Haut kitzelte. Wie die Vögel sich leise unterhielten, während ihr Herzschlag ruhiger und ruhiger wurde. Für einen Moment blieb die Welt ganz still und ihr wurde klar, dass sie gerade nichts anderes tun musste als atmen, lauschen und fühlen. Und in diesem Augenblick spürte sie ein Glück, das viel tiefer ging als jede Aufregung beim Herumrennen.

Am Abend, als sie zu Bett ging, erinnerte sie sich daran, wie angenehm diese Ruhe war. Sie nahm sich vor, jeden Tag wenigstens einen kurzen Moment zu pausieren und bewusst zu fühlen, zu atmen und zu hören. So wurde ihr Leben nicht nur fröhlich, sondern auch friedlich. Und jedes Mal, wenn sie merkte, dass ihr Herz zu schnell schlug, setzte sie sich hin, blickte zum Himmel und atmete einmal ganz langsam ein und aus. Dann fand sie zurück zu sich selbst.“

Als die Welt für einen Moment stillstand – eine Geschichte über Achtsamkeit
Als die Welt für einen Moment stillstand – eine Geschichte über Achtsamkeit

Einen Augenblick lang schwieg Emilies Großmutter und schaute sie liebevoll an. „Weißt du, meine Kleine, auch du darfst deine Welt manchmal anhalten. Du bist nicht weniger lebhaft oder abenteuerlustig, wenn du kurz innehältst. Im Gegenteil: Du nimmst das Leben dann viel intensiver wahr.“

Emilie nickte nachdenklich. „Wie mache ich das am besten?“ fragte sie leise.

Ihre Großmutter lächelte. „Lass uns zusammen versuchen: Schließe die Augen, atme tief ein … und langsam wieder aus. Spüre, wie weich dein Kissen ist und wie sanft das Laken deinen Arm streift. Hör mal, wie Flocki draußen im Flur leise schnarcht. Merke, wie sich dabei deine Brust hebt und senkt. Und denke daran, dass nichts eilt, nichts drängt.“

Emilie folgte den Worten ihrer Großmutter. Plötzlich erschien ihr all das, was sie tagsüber beschäftigt hatte, gar nicht mehr so laut und wichtig. Eine wunderbare Wärme durchflutete sie, und sie fühlte sich friedvoll und geborgen. In dieser Stille sah sie vor ihrem inneren Auge, wie der Traumfänger sanft im Mondlicht schwankte, bereit, sie vor unruhigen Gedanken zu behüten.

„Danke, Oma“, flüsterte Emilie schließlich. „Ich glaube, ich weiß jetzt, wie ich meine Welt manchmal stillstehen lassen kann.“

Mit einem Kuss auf ihre Stirn verließ die Großmutter den Raum. Emilie blieb mit geschlossenen Augen liegen und konzentrierte sich auf ihren Atem. Sie bemerkte, wie wunderbar es war, einen Moment lang bewusst nichts zu tun außer zu sein. In dieser Stille und Geborgenheit glitt sie sanft in den Schlaf hinüber und träumte von friedlichen Wiesen, sanft flüsternden Winden und dem Gefühl, dass die Welt für einen Augenblick stillstehen durfte – nur für sie.

Gute Nacht.

Sharing Is Caring! Gib's weiter an Freunde und Familie, wenn es dir gefallen hat...

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen